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Russland – Erfahrungen, Perspektiven, Handlungsoptionen

14.04.2016 | id:12955674

Die wirtschaftliche Krise in Russland und der politische Streit mit der EU hinterlassen im deutschen Maschinenbau immer deutlichere Spuren. In 2015 sanken die Maschinenexporte um rund 27 Prozent, Russland fiel in der Rangliste der wichtigsten Abnehmerländer von Rang vier auf Rang zehn zurück. Dieses Bild spiegelte sich auch in der aktuellen Situation der knapp 30 Teilnehmer beim Erfahrungsaustausch Russland am 7. April wieder.

Dabei wurde deutlich, dass die schlechte Auftragslage bei den Maschinenbauunternehmen nur zum Teil durch die Sanktionen bedingt ist. Gründe für die allgemeine Rezession der russischen Wirtschaft sind interne Faktoren wie die hohe Rohstoffabhängigkeit, die geringe Diversifizierung und der große Reformstau in der Wirtschaft. Hinzu kommen externe Faktoren wie der niedrige Ölpreis und der politische Konflikt sowie Sanktionen. Als Reaktion auf Embargomaßnahmen erschwert die „Strategie der Importsubstitutionen“ das Russland-Geschäft zusätzlich. Mit ihr soll die industrielle Basis im Lande durch Lokalisierung entwickelt werden. Dazu wird leider auch auf Importbarrieren gesetzt. Zudem wächst die Sorge der Unternehmen, den russischen Markt an die Konkurrenz aus China dauerhaft zu verlieren, obwohl Deutschland als Partner sehr geschätzt wird.

Dennoch wurde beim Erfahrungsaustausch deutlich, dass die baden-württembergischen Unternehmen am russischen Markt festhalten und ein klares Votum für eine künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland abgeben. Dies zeigten auch die Praxisberichte der Gleason-Pfauter Maschinenfabrik GmbH, Ludwigsburg und der Vollert Anlagenbau GmbH, Weinsberg. Der Modernisierungsbedarf der russischen Industrie ist nach wie vor groß. Weitere Impulse verspricht sich der Maschinenbau aus Infrastrukturvorhaben (Flughäfen, Häfen, Schiene, Energie), der Erschließung neuer Lagerstätten sowie aus der Vorbereitung zur Fußball-WM 2018. In Abnehmerbranchen wie die Lebensmittelindustrie, Chemie und Landwirtschaft zeichnet sich sogar ein positives Bild für die nahe Zukunft.

Für die Unternehmen gilt es, die langfristige Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren, Kunden- und Partnerkontakte zu pflegen, die eigene Russland-Strategie genau zu überprüfen und ggf. Strukturen anzupassen und Kosten zu reduzieren. Ein Rückzug vom russischen Markt bedeutet, den Markt den (asiatischen) Wettbewerbern zu überlassen.

Bildquelle : Kurt Kleemann - Fotolia

Engels, Astrid
Engels, Astrid
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