Virtual augmented reality im Service

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Datenbrillen ermöglichen im Servicefall die geführte Fehlerbehebung durch einen Kundenmitarbeiter vor Ort. Die Akzeptanz der eigenen Servicemitarbeiter und die Anbindung an ein leistungsfähiges Internet stellen die größten Hindernisse für eine erfolgreiche Anwendung dar.

Die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 zusammengefasste Verknüpfung von physischen Produkten, Maschinen und Anlagen mit digitalen Informationen lässt sich am einfachsten anhand von intelligenten Datenbrillen erklären. Durch virtual augmented realtity (VAR) wird die reale Welt um zahlreiche digitale Angebote erweitert. So können Mitarbeiter beispielsweise auf Gefahren aufmerksam gemacht werden, Werker erhalten Bedienungsanleitungen eingeblendet oder Konstrukteure bauen digitale Abbilder einer neuen Maschine in Sekundenschnelle in einer noch leeren Fabrikhalle auf. Während die potentiellen Anwendungsfelder dieser Technologie in der Theorie nahezu unbegrenzt erscheinen, ist der Einsatz von Datenbrillen im täglichen Unternehmensalltag jedoch noch sehr beschränkt. Viele Unternehmen im Maschinenbau stehen vor der Frage, wie die neue Technologie gewinnbringend eingesetzt werden kann?

Großes Potential im Service

Ein vielversprechendes Anwendungsfeld hierfür findet sich im Service. Während bisher Servicetechniker Probleme beim Kunden durch eine umständliche und fehleranfällige Telefonberatung leisten mussten und zur Fehlerbehebung zeit- und kostspielige Reisen notwendig waren, ermöglicht eine intelligente Datenbrille die Fehlerbehebung durch einen vom Hersteller geleiteten Mitarbeiter des Kunden vor Ort. Durch die virtuelle Einblendung von Zusatzinformationen in Form von Grafiken oder Videos kann der Mitarbeiter sicher durch den Prozess der Fehlerbehebung geführt und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Darüber hinaus verringert sich das Risiko von Missverständnissen, da der Servicetechniker im Livebild sieht, was der Mitarbeiter beim Kunden vor sich hat. Ist am Ende die Fehlerbehebung vor Ort durch einen Servicetechniker des Herstellers unumgänglich, kann der Serviceauftrag durch das vorab generierte Wissen effizient durchgeführt werden.

Erfahrungsaustausch zu Chancen und Risiken

Dass das skizzierte Beispiel keine Zukunftsvision, sondern bereits gelebte Realität im Maschinenbau ist, wurde auf einem vom VDMA Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Stuttgart und der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg durchgeführten Erfahrungsaustausch deutlich. Die Maschinen- und Anlagenbauer Gebhardt Fördertechnik GmbH und ARKU Maschinenbau GmbH sind gegenwärtig dabei, Anlagentechniker und Servicemitarbeiter mit smarten Datenbrillen auszustatten und diese im Servicefall einzusetzen.

Von beiden Unternehmen wurden die zuvor beschriebenen Vorteile bestätigt. Jedoch kamen in der Diskussion auch kritische Aspekte zur Sprache. Während neue Servicetechniker oft dankbar für die technische Unterstützung sind, lehnten manch erfahrene Kollegen den Einsatz dieses Hilfsmittels anfangs ab. Ein hilfreiches Argument für die Überzeugungsarbeit dieser Mitarbeiter ist der Nutzen für den Kunden: Selbst die erfahrensten Servicemitarbeiter benötigen ab und an telefonische Unterstützung. Während es hierzu bei der Abrechnung immer wieder Diskussion mit dem Kunden über nicht zu bezahlende Telefonzeiten gibt, lässt sich diese Abstimmung mit einer Datenbrille samt integriertem Mikrofon unkompliziert lösen. Datenschutzbedenken hinsichtlich personenbezogener Daten spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Durch eine installierte Software können von der Kamera der Datenbrille eingefangene Gesichter automatisch unkenntlich gemacht werden. Kritisch wird von vielen Teilnehmern die Internetinfrastruktur gesehen. Entweder ist das beim Kunden verfügbare Netz nicht leistungsfähig genug oder der Hersteller erhält keinen Zugang zum Anschluss der Datenbrille. Eine Lösungsmöglichkeit für dieses Problem besteht in der Nutzung mobiler Hotspots. Unabhängig davon ist es aber wichtig, mit dem Projekt zu beginnen, auch wenn noch nicht alles optimal läuft. „Die Probleme von heute werden morgen nicht mehr vorhanden sein, aber von dem Vorsprung, der heute erarbeitet wird, kann man noch lange zehren“, so Ewald Hund, Technischer Leiter und Mitglied der Geschäftsführung der ARKU Maschinenbau GmbH.