Russland: Zwischen Kooperation und Protektionismus

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Die russische Wirtschaft befindet sich auf Erholungskurs, das spürt auch der Maschinenbau. Das Lieferwachstum deutscher Maschinen und Anlagen von 22,5 % im Jahr 2017 beschränkte sich nicht auf wenige Großprojekte, sondern spiegelt sich in vielen Fachzweigen des Maschinenbaus wider. Die russische Regierung treibt jedoch die Diversifizierung ihrer Wirtschaft weiter voran.

Hierzu ist das Land auf ausländische Technologien angewiesen. Unternehmen, die am russischen Markt partizipieren wollen, sollen jedoch auch Wertschöpfung ins Land bringen – also Technologie gegen Marktanteile.

Beim Erfahrungsaustausch am 11. April 2018 wurde das „Comeback“ des russischen Marktes bestätigt, aber auch die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung kritisch diskutiert. Trotz guter Zahlen ist der Export nach Russland nicht einfacher geworden. Etliche Erfa-Teilnehmer sind direkt oder indirekt von den Sanktionen bzw. den daraus resultierenden Folgeproblemen betroffen: lange BAFA-Laufzeiten, Probleme bei Ersatzteillieferungen, allgemeine Verunsicherung bei Kunden, Vorteile für Wettberber aus Ländern ohne Sanktionen. Von den Erfa-Teilnehmern sind bis dato nur wenige unmittelbar von protektionistischen Maßnahmen in Form der „Politik der Importsubstitution“ betroffen. Diese soll die russische Wirtschaft unabhängiger machen, indem gezielt Produktionskapazitäten mit hohen Local-Content-Anforderungen aufgebaut werden. In der Zukunft wird dieser Aspekt im Russlandgeschäft aber zunehmend an Gewicht gewinnen.

Zwei Praxisberichte zeigten die unterschiedlichen Vorgehensweisen am Markt: Bei der Bürkert GmbH & Co. KG, Hersteller von Fluid Control Systems, bearbeitet man Russland erfolgreich mit eine Representative Office in Moskau sowie weiteren Handelspartnern. Eckart Schwamborn, Geschäftsführer der Schwamborn Gerätebau GmbH, erklärte wie der Hersteller von Fußbodenreinigungsmaschinen das Potential des russischen Marktes mittels der eigenen Tochtergesellschaft OOO Schwamborn RUS erschließt.

Fazit: Auf dem russischen Markt liegen die Chancen und die Risiken näher denn je. Die Unternehmen brauchen weiterhin Geduld und wünschen sich verlässliche Rahmenbedingungen. Die deutschen Maschinenexporte nach Russland werden voraussichtlich in einem gemäßigten Tempo weiterwachsen, bis zu den Höchstwerten und dem einstigen vierten Platz in der Exportrangliste ist es aber noch ein weiter Weg.