Industrie 4.0 bei B&R: Von der Vision zur Realität

B&R

Rund 30 Mitglieder des VDMA haben im Zuge einer Veranstaltung bei B&R im österreichischen Eggelsberg über bisherige Erfahrungen mit Industrie 4.0 diskutiert.

Ziel der Factory Tour I40 ist es, Praxisbeispiele aus dem Tagesgeschäft vor Ort zu sehen und Hintergründe zur Umsetzung der Industrie 4.0-Strategie zu diskutieren.

Eine besondere Gemeinschaftsveranstaltung in der Erfahrungsaustausch-Reihe der VDMA-Regionen Mitte und Bayern fand im Dezember 2016 in der Smart Factory des 1979 gegründeten Familienunternehmens Bernecker + Rainer Industrie-Elektronik statt, die auf Anregung der B&R-Tochtergesellschaft Bad Homburg, Hessen, zustande kam.

 

Weitsichtige Unternehmer

Bereits 2006 hat B&R auf 65 000 Quadratmetern neben Bürogebäuden die Smart Factory gebaut, also zu einer Zeit, als der Begriff Industrie 4.0 noch gar nicht geprägt war, denn das passierte erst zur Hannover Messe 2011. In die Bauzeit fiel auch das Krisenjahr 2009. „Trotz dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit haben wir entschieden, den Bau fortzusetzen“, erläuterte Hermann Obermair, B&R General Manager Sales Austria. Diese Entscheidung trug wesentlich dazu bei, dass die B&R ab dem Jahr 2010 ausreichend Kapazitäten hatten, um den Aufschwung nach der Krise abdecken und mitgestalten zu können. 2015haben die weltweit knapp 3.000 B&R-Mitarbeiter einen Umsatz von 585 Mio EUR erwirtschaftet. Die Produktion findet ausschließlich in Eggelsberg statt.

 

„Der Schlüssel zu unserem Erfolg ist unsere stringente IT-Philosophie.“

Schlüsselthema IT

Josef Raschhofer, IT- und Supply-Chain-Manager, stellte die B&R-Philosophie zum Thema Industrie 4.0 vor. Das zentrale 50-köpfige IT-Team, das für die Entschen wicklung und den Betrieb der IT-Systeme an mehr als 90 B&R-Standorten weltweit verantwortlich ist, lebt diese Philosophie, indem nicht viele Subnetze mehr oder weniger gut über Schnittstellen aneinander gekoppelt sind, sondern ein homogenes Netz aufgebaut wurde, in dem jede Maschine, alle Komponenten der Gebäudeautomatisierung sowie das Enterprise-Resource-Planning-(ERP-)System vereint sind.

So ist es auch möglich, dass das ERP-System die einzelnen Regalbediengeräte des Hochregallagers steuern kann und automatisiert Nachbestellungen von Material ausgelöst werden. Ein weiterer wesentlicher Erfolgsfaktor sind einheitliche Applikationen, Datenquellen und Prozesse für alle Standorte.
 

Vertikale und horizontale Vernetzung

Bei der Führung durch die Industrie-PC-Fertigung erhielten die Teilnehmer Einblicke in die logistischen Herausforderungen. Alle Prozesse und Systeme der horizontal und vertikal vernetzten B&R-Produktion greifen ineinander und sind optimal mit dem 3-Schicht-Betrieb abgestimmt. Die zumeist angelernten Arbeitskräfte werden mit Bildschirmanweisungen und Lichtsignalen beim Zusammenbau der PCs an ergonomischen Arbeitsplätzen unterstützt. Gerald Haas, Leiter Global Industrial Management bei B&R, erklärte, dass eine Bestellung von 1000 Industrie-PCs genauso effizient abgewickelt wird wie Losgröße 1. Die Seriennummer des PC ermöglicht, auf der Internetseite von B&R technische und kaufmännische Daten sowie Funktionstests abzurufen und Teilkomponenten eindeutig zu identifizieren.
 

Erfahrungsaustausch ist zentral

Neben Fachdiskussionen und praxisnahen Umsetzungsbeispielen ist der Erfahrungsaustausch der Teilnehmer wichtiger Bestandteil der Factory Tour. Vorab war ein Meinungsbild mit Schlüsselfragen zum Thema Industrie 4.0 (Erfahrungen, Erwartungen, Chancen, Risiken, Bremsaspekte, Begünstigungen) bei den Teilnehmern eingeholt worden, das Nora Lauterbach vom VDMA Mitte vorstellte. Christian Mosch vom VDMA-Forum Industrie 4.0 präsentierte abschließend die Netzwerk- und Unterstützungsmöglichkeiten durch den VDMA.

Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie unter www.br-automation.com