KurzPosition: Mehr investieren, Exportstärke erhalten

Dampfturbine - Siemens

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau trägt als weltweit führender Maschinenexporteur maßgeblich zum Exporterfolg Deutschlands bei. Dieser Erfolg ist nicht das Ergebnis wettbewerbswidriger Eingriffe, sondern Zeichen wettbewerbsfähiger Produkte.

Eine politisch motivierte Beschränkung der Leistungsfähigkeit Deutschlands wäre ein Eingriff in funktionierende, grenzüberschreitende Wertschöpfungsketten, der nicht nur Deutschland, sondern Europa insgesamt schaden würde. Um hingegen ganz Europa zu stärken, braucht es den passenden Rahmen für mehr Investitionen.

Beste Produkte setzen sich durch

Die Bundesregierung und die EU-Kommission stimmen zu Recht gleichermaßen überein, dass der Außenhandelsüberschuss Deutschlands „kein übermäßiges Ungleichgewicht“ darstellt. Stattdessen ist er Ausdruck hoher Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Und: Exporterfolg hier und Direktinvestitionen vor Ort sind zwei Seiten einer Medaille. Insbesondere Investitionsgüter, wie sie der Maschinenbau in die ganze Welt liefert, schaffen in den importierenden Ländern die Basis für Wertschöpfung, Beschäftigung und damit Wohlstand vor Ort. Für den deutschen Maschinenbau wiederum sind attraktive  Auslandsstandorte oft unverzichtbar, um seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Standort Deutschland nicht gefährden

Im Interesse Deutschlands ist auch, die Leistungsfähigkeit deutscher Standorte durch Investitionen in Deutschland zu erhalten. Die starke Wettbewerbsposition Deutschlands ist u.a. Ergebnis von langfristigen und harten politischen Strukturreformen wie der Agenda 2010. Eine Bestrafung Deutschlands wäre ein fatales Signal an alle Reformkräfte Europas. Statt die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands etwa in Form politisch motivierter Lohnerhöhungen zu schwächen, braucht Deutschland mehr öffentliche und private Investitionen. Denn Deutschland investiert im Vergleich mit den 1980er und 1990er Jahren zu wenig und verschenkt damit Wachstumspotenzial.

Investitionen stärken

Damit Unternehmen mehr in ihre deutschen Standorte investieren und sich etwa den Herausforderungen der Digitalisierung stellen können, brauchen sie ein  investitionsfreundliches Klima. Die unbefristete Wiedereinführung der degressiven Abschreibung ist hierfür Instrument erster Wahl. Sie ist betriebswirtschaftlich geboten,
erleichtert die Investitionsfinanzierung der Unternehmen und wäre im Ergebnis haushaltspolitisch neutral zu gestalten. Das macht Deutschland insgesamt als
Investitionsstandort attraktiver.

KurzZahl

Wussten Sie, dass von zehn Komplettmaschinen, Systemen oder Komponenten,
die nach Deutschland importiert werden, sechs aus anderen Ländern der Europäischen
Union stammen?

Investitionshemmnisse abbauen

Wer Investitionen und Innovationen fördern möchte, muss übermäßige Bürokratie zurückdrängen. Die Erfahrung der Unternehmen zeigt, dass ein in den Unternehmen
spürbarer Bürokratieabbau Chancen eröffnet. Ziel bleibt, das Steuerrecht zu vereinfachen, die Außenwirtschaftsbürokratie abzubauen und die Dokumentationspflichten beispielsweise in der Personalwirtschaft auf das Wesentliche zu reduzieren, einhergehend mit einem reibungslosen Datenaustausch mit den Behörden. Darüber hinaus dürfen keine neuen bürokratische Hürden und damit Investitionshemmnisse geschaffen werden.

Innovationen fördern

Damit die Unternehmen auf Dauer wettbewerbsfähig bleiben, braucht Deutschland
ein innovationsfreundliches Steuerrecht. Der VDMA fordert deshalb, ergänzend zum Erfolgsmodell der industriellen Gemeinschaftsforschung und der themenoffenen Projektförderung eine allgemeine, allen Unternehmen offenstehende steuerliche Forschungsförderung einzuführen. Die steuerliche Forschungsförderung ist technologieoffen, schnell wirksam und in den meisten OECD-Ländern längst etabliert.

Infrastruktur modernisieren

Deutschland tut für seine öffentliche Infrastruktur zu wenig. Eine Umfrage unter den
VDMA-Mitgliedern ergab, dass die Verkehrsinfrastruktur sich vom Standortvorteil
in der Vergangenheit zu einem Nachteil entwickelt hat mit schon jetzt kaum aufzuholenden
Auswirkungen für die Zukunft. Gerade Maschinenbauer aus den alten Bundesländern klagen über wachsende Probleme beim Transport ihrer Produkte. Die Unternehmen drängen vor allem auf die Sanierung von Brücken und Straßen. Infrastrukturinvestitionen sichern Zukunftsinvestitionen.

Fazit

Europas Wirtschaft wird nicht stärker, wenn Deutschland „gestutzt“ würde. Stattdessen
sollten Starke und Schwache gestärkt werden. Dazu gehört, öffentliche wie private Investitionen zu erhöhen – überall in Europa und damit auch in Deutschland. Denn zu innovieren und zu investieren führt letztlich zur Steigerung von Wohlstand durch Wettbewerbsfähigkeit. Das ist der beste Weg, Europa zu stärken.

Kontakt

Dr. Ralph Wiechers, Leiter VDMA Volkswirtschaft und Statistik
Telefon +49 69 6603-1371, E-Mail ralph.wiechers@vdma.org
Boris Greifeneder, VDMA Hauptstadtbüro
Telefon +49 30 306946-15, E-Mail boris.greifeneder@vdma.org

Mehr KurzPositionen: www.vdma.org/kurzpositionen

Downloads