Stuttgarter Tagung frugale Maschinen, Anlagen und Geräte

Am 21. März 2017 fand mit rund 45 Teilnehmern die Stuttgarter Tagung frugale Maschinen, An-lagen und Geräte in Zusammenarbeit des Fraunhofer IPA und des VDMA Baden-Württemberg auf dem Fraunhofer Campus in Stuttgart statt. Mit 10 Vorträgen aus der Praxis zu aktuellen The-men die das Thema frugal von unterschiedlichsten Perspektiven beleuchteten, konnten sich die Teilnehmer informieren und neue Anregungen für den grundlegenden Veränderungsprozess mitnehmen.

Dass ein tiefgreifender Change-Prozess innerhalb eines Unternehmens notwendig ist, um frugal zu denken und zu handeln, wurde im Rahmen der Tagung durch die Referenten deutlich. Die Kultur und die Denkweise muss dahingehend verändert werden, dass zum einen der Kunden-nutzen und nicht die technische Machbarkeit bzw. das Ausreizen technischer Grenzen und Mög-lichkeiten im Mittelpunkt steht und dass Entwickler nicht das Gefühl haben, wenn sie an mid-tech-Produkten arbeiten nicht gleichwertig sind mit Entwicklern, die sich mit high-end Maschinen oder Produkten befassen. Komplexe Vorgänge und Prozesse mit einfachen Mitteln kostengünstig und robust umzusetzen erfordert vielfach mehr Können der Entwickler, als wenn auf kostenintensive und zum Teil wartungsintensive Spitzentechnologie zurückgegriffen wird. Frugal steh nicht für das „Abspecken“ vorhandener Maschinen durch das Weglassen von bestimmten Funktionen oder der Verwendung anderer Qualitätsstandards zur Senkung der Kosten. Frugal steht für die Fokussierung auf den Kundennutzen und die grundlegende Entwicklung einer neugedachten Maschine auf Basis des Kundenwunsches und des Einsatzortes unter Berücksichtigung der Um-gebungsbedingungen. Dies stellte Frau Dr. Luise Fischer vom Fraunhofer IMW während ihres Vortrages deutlich hervor:“ Bei frugal muss man komplett umdenken. Nicht etwas Bestehendes verschlanken, sondern ausgehend vom Kundennutzen etwas neu entwickeln.“

Unter der Betrachtung verschiedener Emerging Markets wird deutlich, dass die Maschinenimpor-te aus China, dessen Anbieter häufig die mittleren und niederen Preissegmente bedienen, konti-nuierlich zunehmen. Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer müssen darauf bedacht sein, nicht ins obere Marksegment und letztendlich in eine Nische abgedrängt zu werden. Die Abdrän-gung deutscher Unternehmen ins Nischensegment sieht auch Herr Dr. Wolfgang Albeck von Eisenmann SE als potentielles Risiko. Zusätzlich wies Herr Dr. Albeck darauf hin, dass im Premi-um-Segment zunehmend höhere Beträge investiert werden müssen, um einen kleinen Vorteil in der technischen Umsetzung zu bekommen. Eisenmann verfolgt eine duale Strategie, bei der neben dem Premiumsegment Anlagen für das mittlere Preissegment entwickelt und hergestellt werden. Auf eine Vermeidung gegenseitiger Kannibalisierung der Produktlinien muss allerdings strengstens geachtet werden. Nicht nur die Markterschließung in den Emerging Markets kann durch frugale Maschinen und Anlagen vorgenommen werden, auch die mittleren Marktsegmente in den westlichen Ländern können mit dem Ansatz frugal besetzt werden, denn auch hierzulande wächst der Anteil an Marktbegleitern aus Fernost. Oliver Wack aus der Abteilung Außenwirtschaft des VDMA fasste als Experte für China dies wie folgt zusammen: „Wir merken, dass China sich auf dem deutschen Markt engagieren möchte.“r

Herr Uwe Schleinkofer vom Fraunhofer IPA in Stuttgart, zeigte im Rahmen seiner Präsentation erste Ergebnisse einer gemeinsam mit dem VDMA Baden-Württemberg durchgeführten online-Umfrage. Hieraus geht u.a. hervor, dass Großunternehmen und KMU stellweise unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema haben. Rund 11% der KMU befürchten einen Imageschaden durch frugale Produkte in gesättigten Märkten, während dies lediglich rund 3,5% der Großunternehmen als Risiko bewerten. Bei wachsenden Märkten sind sich die Umfrageteilnehmer der KMU und Großunternehmen mit 12% und 11% einig, dass fehlende Marktkenntnisse und -erfahrungen ein Risiko darstellen.

Die Tagung hat gezeigt, dass die Problemstellung, die sich hinter dem Akronym frugal verbirgt, alle Maschinen- und Anlagenbauer betrifft und es sich hierbei um einen ganzheitlichen Ansatz handelt, der ein Umdenken von der Geschäftsführerebene bis in die Produktion erfordert. 

Rund 11% der KMU befürchten einen Imageschaden durch frugale Produkte in gesättigten Märkten.