Globale Beschaffung

Haver Boecker

Erfahrungsaustausch zum Thema Global Sourcing

Die Absatzmärkte des deutschen Maschinenbaus werden zunehmend globaler. Die Einkaufsabteilungen hingegen agieren vielfach noch weit weniger international, obwohl der Kostendruck tendenziell zunimmt und die Beschaffung auf ausländischen Märkten ein relevanter Ansatz zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit sein kann.

Beim Erfahrungsaustausch „Globale Beschaffung – Herausforderung für den Einkauf“ diskutierten 45 Einkaufsverantwortliche die Herausforderungen beim internationalen Einkauf im Hinblick auf Qualität, Logistik und Risikomanagement, insbesondere im Lichte aktueller Verunsicherungen aus nachlassender China-Dynamik, Brexit, Protektionismus der USA und Krise in der Türkei. Der Anteil der direkten Beschaffung im Ausland ist laut einer VDMA-Umfrage bei den deutschen Maschinenbauern mit 37,7 % überschaubar, davon entfallen 16,5 % auf EU-Länder. China fällt mit 2,2 % immer noch relativ gering ins Gewicht. Ganz klar gilt: Global Sourcing erfordert eine Warengruppenstrategie. Prädestiniert sind Warengruppen mit einem hohen Lohnkostenanteil, ein geringer Automatisierungsgrad bei der Teilefertigung, längerfristig gleichbleibende Produktspezifikationen (Serienteile, Wiederholteile) sowie günstige Volumen-/Gewichtrelationen für längere Transporte. Der Regelungsbedarf und das Qualitätsmanagement darf insbesondere in Low Cost Countries nicht unterschätzt werden.

Frank Lindenfelser, Vice President Procurement der teamtechnik Maschinen und Anlagen GmbH in Freiberg erläuterte, dass der globalen Beschaffung bei teamtechnik eine „Vision“ voransteht. Mit seinem internationalen Einkaufsnetzwerk soll der Einkauf einen Beitrag zur Wertschöpfung, zu den strategischen Zielen und zum Ergebnis der teamtechnik Gruppe leisten. Das Vorgehen z.B. bei der Beschaffung von Zeichnungsteilen in Low Cost Countries verläuft von der Recherche über Lieferantenselbstauskunft, Audit, Probeauftrag, Hochlauf und Lieferantenmanagement nach einem klaren Schema. Beim Praxisbericht der WEBER-HYDRAULIK GmbH, Güglingen, zeigte Hansjörg Pott, Leiter Konzerneinkauf, was bei der Integration eines „International Purchasing Office (IPO)“ zu beachten ist. Outsourcing der maximalen Wertschöpfungskette unter Berücksichtigung von Kernkompetenzen und kontinuierliche Inanspruchnahme durch die Leadbuyer-Organisation lauten zwei wesentliche Ziele. Bei der Realisierung zeigt sich, dass die Wirksamkeit eines IPO primär von der Integration in die Leadbuyerstruktur abhängt.