KurzPosition: Industriedaten

ARBURG

Verantwortung und Chancen tarieren - Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau liefert intelligente, vernetzte Produktionssysteme, die Industrie 4.0 möglich machen. Im Betrieb der Systeme entstehen wertvolle und hochsensible Industriedaten. Der Austausch dieser Daten ermöglicht neue Geschäftsmodelle, verspricht mehr Produktivität und Effizienz.

Gleichzeitig muss der Datenschutz für Arbeitnehmer und Nutzer gewährleistet sein. Für Investitionen in Zukunftstechnologien sind Rechtssicherheit und Freiraum für Wettbewerb und Innovationen elementar.

Industriedaten sind sensibel

Bei der Nutzung von Maschinen und Anlagen wie für die darauf gefertigten Produkte sind Industriedaten sicherheitsrelevant. Sowohl die Verfügbarkeit der Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sowie der Schutz vor Datenmanipulation sind unabdingbar. Der Datenaustausch über öffentliche Netze muss vertraulich, schnell und zuverlässig auch in den Regionen möglich sein. Zudem sind Industriedaten als digitales Abbild von Verfahren und Produkten für Betreiber und Hersteller ein zu schützendes Geschäftsgeheimnis. Ein verantwortungsvoller Freiraum für die sichere und zuverlässige Nutzung von Industriedaten eröffnet neue Geschäftsmöglichkeiten aus Deutschland heraus. Gerade der industrielle Mittelstand kann davon profitieren.

Innovationen Raum lassen

Zunehmend entwickeln deutsche Maschinenbauer Geschäftsmodelle auf Basis eines zuverlässigen Datenaustausches mit ihren Partnern. Schon heute bietet der rechtliche Rahmen Raum für datengetriebene Lösungen in unternehmerischer Eigeninitiative. Der Markt zum Datenaustausch in einer Industrie 4.0 entwickelt sich und bisher sind weder alle Geschäftsmodelle noch die zukünftigen Risiken bekannt. Mit übereilten Änderungen des Rechtsrahmens für Daten würde die Politik unnötig den Wettbewerb einschränken, und könnte so Vorteile für Einzelne zu Lasten anderer schaffen. Stattdessen bedarf es der kontinuierlichen Überprüfung, ob sich in einer Datenwirtschaft möglicherweise monopolartige Situationen ergeben. Zudem setzt das Kartellrecht der Macht Einzelner Schranken.

Wettbewerb stärken

In der Industrie 4.0-Welt gilt: Das Prinzip der Vertragsfreiheit muss weiter gestärkt werden. Negativbeispiel bleibt das starre deutsche AGB-Recht. Der Gesetzgeber ist gefordert, mehr Rechtssicherheit für Geschäftskunden mit einem flexiblen AGBRecht zu schaffen. Dagegen besteht kein Handlungsdruck beim Rechtsrahmen für den plattformbasierten Austausch von Industriedaten. Vielversprechende Lösungen entstehen sowohl im Markt als auch in Forschungsprojekten. Im Gegensatz zum Konsumentenbereich gibt es keine Hinweise, dass einzelne Plattformen mit Industriedaten eine dominierende Rolle einnehmen würden. Vielmehr lässt sich ein gesunder Wettbewerb um die besten Ideen, Lösungen und Technologien beobachten.

KurzZahl

Wussten Sie, dass laut einer IMPULS-Studie 70 Prozent der deutschen Maschinenbauer Dienste wie Ferndiagnosen, Fernwartungen oder Software-Updates bieten?

Industriedaten basieren auf Investitionen

Industriedaten folgen auf erhebliche Investitionen in innovative Maschinen, Prozesse und Datenkonzepte. Das Teilen von Industriedaten ermöglicht neue Geschäftsmodelle. Es setzt damit Anreize für Investitionen in die Zukunft der Unternehmen. Ziel investitionsfördernder Rahmenbedingungen muss die Balance zwischen Datenaustausch und Schutz von Unternehmensinvestitionen sein. Planungs- und Rechtssicherheit führen zu effizienten Investitionen in die Datengenerierung und in vernetzte Fabriken.

EU-Harmonisierung nötig

Nur in einem einheitlichen Markt mit harmonisierten Standards ist eine vernetzte, europäische Industrie vorstellbar. Aber ein digitaler EU-Binnenmarkt ist nicht genug: In Handelsvereinbarungen mit Drittländern muss die EU auch den internationalen Datenaustausch regeln, um für europäische Unternehmen den Weltmarkt zu öffnen. Auch hier gilt es, Balance zu halten zwischen dem Schutz von Geschäftsgeheimnissen und dem Daten- wie Warenaustausch rund um die Welt.

Fazit

Die Zukunft kann nicht präzise vorhergesagt werden. Entwicklungen müssen beobachtet werden, um eventuellem Marktversagen entgegen zu wirken. Aufgabe ist nicht, immer neue Regeln einzuführen, sondern den Freiraum für Innovationen und Wettbewerb von Unternehmen zu erhalten und Vertragsfreiheit zu sichern. Ein erster Schritt ist, dass Politik und Wirtschaft im Dialog klären, welche Chancen und Herausforderungen sie mit neuen Geschäftsideen verbinden.

Kontakt

Kai Peters, VDMA EurO
Telefon +32 27 06 - 8219, E-Mail kai.peters@vdma.org


Andreas Rade, Geschäftsführer VDMA Hauptstadtbüro
Telefon +49 30 3069 46 - 16, E-Mail andreas.rade@vdma.org

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